chance operations #49 performed by Julius Deutschbauer, Matinee u Finissage, 12.6.2016 - Innsbruck

MATINEE UND FINISSAGE
SABINE GROSCHUP –  (JC{639}) ½ EDITION ETC.
Konzert in der Jesuitenkirche und anschließende Finissage im Ferdinandeum
Sonntag 12. Juni, Eintritt frei

Sabine Groschup’s (JC{639})*
chance operations #49
performed by Julius Deutschbauer
Vienna, 27 May 2016

*A film in 89 aleatory variations on John Cage’s ORGAN2/ASLSP at the St. Burchardi Church in Halberstadt. By Sabine Groschup • Ein Film in 89 Zufallsvariationen zu John Cages ORGAN2/ASLSP in der St. Burchardi Kirche in Halberstadt. Von Sabine Groschup

INNSBRUCK. Am 12. Juni, dem letzten Tag der Ausstellung SABINE GROSCHUP – (JC{639}) ½ EDITION ETC. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum wartet die Schau mit zwei abschließenden Programmpunkten auf. In einer Matinee in der Jesuitenkirche Innsbruck gibt die John-Cage-Orgelpreisträgerin Dóra Pétery ein Orgelkonzert mit Werken von John Cage, Sofia Gubaidulina und Michael Radulescu. Im Anschluss daran begeben sich die Gäste der Matinee ins Ferdinandeum, wo im Rahmen der Finissage in einer öffentlichen Ziehung die 50. Filmversion des Films (JC{639}) von Groschup gezogen wird. Sowohl der Eintritt zum Konzert als auch zur Finissage sind frei.
 
Ausstellung (JC{639}) ½ EDITION ETC.
Seit mittlerweile zehn Jahren beschäftigt sich die Tiroler Künstlerin Sabine Groschup mit dem Komponisten John Cage, der die Klangkunst des 20. Jahrhunderts maßgeblich mitgeprägt hat. In ihrer Ausstellung (JC{639}) ½ EDITION ETC. im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum gibt Groschup Einblick in das John-Cage-Orgelprojekt, das seit 2001 in Halberstadt in Sachsen-Anhalt durchgeführt wird.
 
Matinee
John Cages Werk steht im Mittelpunkt der Matinee am 12. Juni um 13 Uhr in der Jesuitenkirche Innsbruck. Sein Orgelstück ORGAN2/ASLSP wird aufgeführt. Die Abkürzung ASLSP steht für „as slow as possible“ und ist die Anweisung, die achtseitige Partitur so langsam wie möglich zu spielen. Bei der Uraufführung 1989 spielte der Organist Gerd Zacher das Orgelstück in einer Länge von 29 Minuten. Cage komponierte das Stück im Jahr 1985 mit Hilfe eines Zufallsprogramms mit dem Computer. Ursprünglich für Piano komponiert, schrieb er es 1987 für Orgel um. Seit dem Jahr 2001 wird es in der Sankt-Burchardi-Kirche in Halberstadt als langsamstes Musikstück der Welt in einer Gesamtlänge von 639 Jahren aufgeführt. Die in Budapest lebende Organistin Dóra Pétery wurde 2014 mit dem John-Cage-Orgelpreis für zeitgenössische Orgelmusik ausgezeichnet. Sie tritt als Solistin sowie als Mitglied verschiedener Musikgruppen an der Orgel, dem Clavichord, dem Cembalo und dem Piano auf.
 
Am Anfang der Matinee steht der „Robertsbrigde Codex“. Er gilt als älteste schriftlich überlieferte Orgelmusik und enthält sechs Stücke. Eines davon, in Form der Estampie, einer italienischen Tanzform des Trecento wird in der Matinee zu hören sein. Das Orgelstück „Hell und dunkel“, von Sofia Gubaidulina 1976 komponiert, zeichnet sich durch klanglich und rhythmisch konträre Elemente aus. Die russische Komponistin beendete 1954 ihre Ausbildung am Konservatorium von Kasan und setzte bis 1959 ihr Kompositionsstudium bei Nikolai Pejko in Moskau fort. Seit 1963 ist Gubaidulina als freischaffende Komponistin tätig. Sie lebt heute in der Nähe von Hamburg.
 
Als letztes Stück ist Michael Radulescus Werk „Estampie (Ricercari, III)“ von 1984 zu hören. Das Stück beweist, wie spannend die mittelalterliche Tanzform der Estampie im modernen Sinn weitergedacht werden kann. Radulescu ist ein Komponist, Organist und Hochschullehrer deutsch-rumänischer Herkunft. Seit 1959 konzertiert er als Organist in Europa, Nordamerika, Australien und Japan. Von 1968 bis 2008 lehrt er als Professor an der Wiener Musikhochschule. 2005 erhielt er das Goldene Verdienstzeichen der Stadt Wien und 2007 den Würdigungspreis für Musik des österreichischen Ministeriums für Unterricht und Kunst für sein musikalisches Lebenswerk.
 
Finissage
Im Anschluss an das ca. 50 Minuten dauernde Konzert begeben sich die BesucherInnen ins Ferdinandeum, wo ab 14 Uhr die Finissage der Ausstellung stattfindet. In diesem Rahmen wird eine neue Filmversion von Groschups Filmprojekt (JC{639}) in einer öffentlichen Ziehung ermittelt. Jede Filmversion zeigt die Filmszenen in unterschiedlicher Reihenfolge. Die Abfolge wird immer mittels einer Zufallsoperation bestimmt. Die ersten 45 Versionen sind bereits in der Ausstellung zu sehen. In den Filmen erläutern Akteure des John-Cage-Orgelprojekts aus Halberstadt ihren Zugang zu dem 639 Jahre andauernden Orgelkonzert. Weiterer Bestandteil der Filme sind Ansichten aus der Burchardi-Kirche, in der das Orgelprojekt stattfindet. Alle BesucherInnen, die sich an der Ziehung der 89 Szenen der 50. Filmversion beteiligen, erhalten ein von dem österreichischen Künstler Julius Deutschbauer eigens geschaffenes und von ihm und Groschup signiertes Plakat.
 
SABINE GROSCHUP –  (JC{639}) ½ EDITION ETC.
bis 12. Juni 2016
Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum
Museumstraße 15, 6020 Innsbruck
Di – So 9 – 17 Uhr
T +43 512 594 89 - 180
www.tiroler-landesmuseen.at
 

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