Ein Aus Zug

1.9.2012

Ein Schriftsteller in mittleren Jahren versucht sich aus den Fängen eines 2-Haubenkochs zu retten. Zwei Monate wurde er auf hohem Niveau angefüttert. ...

Ein Schriftsteller in mittleren Jahren versucht sich aus den Fängen eines 2-Haubenkochs zu retten. Zwei Monate wurde er auf hohem Niveau angefüttert. Sein Gastrecht hat er bis ins Letzte ausgekostet. Erst spät, zu spät, erkennt er die heimtückische Absicht dahinter: die Einladung des Wirts in sein Luxushotel, bei freier Kost und Logis zwei Monate lang dazu zu verwenden, einen Roman zu schreiben, ist ähnlich zu bewerten wie die Einladung der Hexe, die Hänsel und Gretl ins Knusperhäuschen lockt.
Das Ganze ist gut eingefädelt: Unterstützt wird der Wirt in seinem hinterhältigen Vorhaben vom renommiertesten Lektor eines der renommiertesten Verlagshäuser Deutschlands. Arglos tappt er in die 4-Sterne-Falle mit 2 Hauben.
Inzwischen hat er zehn Kilogramm zugelegt, einiges an Beweglichkeit eingebüßt. Die Speisekarte hängt wie ein Stein um seinen Hals. Noch ein, zwei Gläser Champagner und dann nichts wie weg: hinaus aus dem Restaurant, hinaus aus dem Genusshotel, einmal noch in die luxuriöse Dichterklause vis-á-vis. Bäuchlings durchquert er Restaurant und Hotel.
Das Ende ist vorhersehbar: Es geht ihm ähnlich wie dem Kebsweib des Priesters aus Richter 19, 27: „… da lag sein Kebsweib vor der Tür des Hauses und ihre Hände auf der Schwelle.“

Hotel „Seehof“ in Goldegg/Pongau (A) 2012; Idee und Regie: Julius Deutschbauer; Kamera: David Jagerhofer; Schnitt: David Jagerhofer; Darsteller: Julius Deutschbauer; Format: Video miniDV auf DigiBeta übertragen, Farbe; Länge: 13:18 min.
 

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